Perugia


Perugia
Perugia
 
[pe'ruːdʒa],
 
 1) Hauptstadt der Provinz Perugia, in Umbrien, Italien, 493 m über dem Meeresspiegel, auf einem Höhenrücken zwischen dem Tibertal und dem Trasimen. See, 148 300 Einwohner; Erzbischofssitz; Universität (gegründet 1200), Universität für Ausländer (gegründet 1921), Akademie der schönen Künste, Musikschule, Priesterseminar; Archäologisches Museum, Bibliotheken (u. a. Biblioteca Augusta, gegründet 1615); Nahrungs- und Genussmittel-, Textil-, polygraphische, Baustoff-, Metall verarbeitende, pharmazeutische Industrie; Fremdenverkehr.
 
 
Vom etruskischen Mauerring (4.-2. Jahrhundert v. Chr.) blieben große Teile erhalten (u. a. zwei monumentale Tore aus dem 3./2. Jahrhundert mit bauplastischem Schmuck). Das Stadtbild ist zum großen Teil von Bauten aus der Gotik und der Renaissance geprägt. Im Zentrum der Altstadt liegt die Piazza Quattro Novembre mit dem Dom San Lorenzo (1345-1490; im Dommuseum Gemälde von L. Signorelli), der Fontana Maggiore (1277/78, mit Statuen und Reliefs von Niccolò und G. Pisano) und dem Palazzo Comunale, einem der großartigsten italienischen Stadtpaläste der Gotik (Ende 13. Jahrhundert begonnen, 1333-53 erweitert; hier ist die Galleria Nazionale dell'Umbria untergebracht, v. a. mit Werken der umbrischen Malerei); an den Palast schließt im Süden das Collegio del Cambio (ehemaliger Sitz der Geldwechsler) an, 1452-57 erbaut, mit Fresken von Perugino und seinen Schülern. Älteste Kirchen Perugias sind Sant'Angelo (ein Zentralbau des 5./6. Jahrhunderts, im Innern 16 antike Säulen) und San Pietro (um 1000 errichtet; reiche Renaissancemalerei und -dekoration; Marmortabernakel von Mino da Fiesole, 1473); mächtige gotische Kirche San Domenico (1305 begonnen, im 17. Jahrhundert nach Einsturz erneuert) mit gotischem Grabmal des Papstes Benedikt XI.; im Klostergebäude das Museo Archeologico Nazionale (etruskische und römische Kunst); das Oratorio di San Bernardino erhielt 1457-61 eine Fassade von Agostino di Duccio, ein Meisterwerk der Frührenaissance. In der Kapelle der Kirche San Severo Fresken von Raffael (1505, nach dessen Tod von Perugino vollendet). - Um die Stadt liegen ausgedehnte etruskische Nekropolen, v. a. aus hellenistischer Zeit, mit reliefgeschmückten Aschenurnen (Volumniergrab; 1. Jahrhundert v. Chr.).
 
 
Perugia, das antike Perusia, war einer der zwölf Stadtstaaten der Etrusker. 295 v. Chr. wurde die Stadt von den Römern unterworfen. Im Perusinischen Krieg (Winter 41/40 v. Chr.) wurde Lucius Antonius, der Bruder des Marcus Antonius, in Perugia von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, belagert. Nach der Übergabe zerstört, wurde die Stadt später von Augustus als Augụsta Perusia wieder aufgebaut. 754/774 kam Perugia an den Kirchenstaat, behielt aber weitgehend seine freistädtische Verfassung; 1130 wurden erstmals Konsuln ernannt. Im 15. Jahrhundert übernahm ein Adelskonsortium, dann die Familie Baglioni die Herrschaft; 1540 wurde Perugia der direkten Verwaltung durch den Kirchenstaat unterstellt (bis 1860).
 
 
G. Wapler: Die zentralörtl. Funktion der Stadt P.: Bestimmungsfaktoren u. Bedeutung für das Umland (1979).
 
 2) Provinz in der Region Umbrien, Italien, 6 334 km2, 609 800 Einwohner.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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